die dinge beim namen nennen!

17 Aug

wer unbedingt gewalt und mord verüben will, sollte das im rahmen der kulturellen gepflogenheiten tun und sich einen bunker zulegen.

nach guter österreichischer tradition präsentierte frau innenministerin fekter letzte woche die idee, den begriff der „kulturdelikte“ ins strafgesetzbuch einzuführen, ohne dazu zu sagen, was sie eigentlich damit bezweckt. sollen delikte wie mord oder körperverletzung schwerer bestraft werden, wenn sie von moslems begangen werden? oder weniger schwer? oder gleich schwer? so genau hat man sich das in der ÖVP noch nicht überlegt, weswegen sich, bis auf ein paar krone-leser und einige landwirte (ja, auch die denken über integration nach) sich niemand mit der wortblase anfreunden will.

es kann ihr nichts besseres passieren, schließlich gilt kritik von zwei seiten in der „partei der mitte“ als beleg für maß und ausgewogenheit, und die wertkonservativeren övp-wählerInnen denken sich, der haider ist ja noch schlimmer. nicht umsonst ist der hinweis auf kritik von links UND rechts nicht erst seit strasser ein stehsatz jedes innenministers, der ausländerfeindliche maßnahmen verteidigt. da zeigt sich erst, wofür die ÖVP den rechten rand unbedingt braucht: egal, wie xenophob ihre propaganda daher kommt, die blauen und orangen werden ihr immer den gefallen tun, sie als „links“, „kuschelweich“, „antiösterreichisch“, etc. zu brandmarken und sie damit in die fiktive mitte des österreichischen angebots zu rücken.

die dinge beim namen nennen heißt dort: klischees zu reproduzieren und menschen nicht mehr als individuen, sondern als träger einer „kultur“ , die ihnen als stigma anhängt und verhindert, dass sie je zu „uns“ gehören können. in aufgeklärten „kulturen“ nennt man das rassismus. die meisten gewaltverbrechen passieren übrigens nach wie vor innerhalb von klassischen kleinfamilien, sowohl einheimischen wie auch zugezogenen. aber die ist ja für die konservativen die keimzelle der bürgerlichen gesellschaft und muss auf jeden fall geschützt werden.

links ist man irgendwie müde, ständig auf den gar nicht mehr so unterschwelligen rassismus der staatspartei(en) hinzuweisen, der ja hierzulande eh niemand mehr wirklich aufzuregen scheint. und ganz rechts wirft man der schotter-mizi multikultiverständnis und relativismus vor. und die intellektuellen? sind wahrscheinlich, entweder damit beschäftigt oberstudienratsbefindlichkeitsprosa für die kleine zeitung und die presse zu produzieren oder ihre polemiken gegen die wenigen antirassistischen stimmen vorzubereiten, die nach der wahl eine regierungsbeteiligung der extremen rechten als das bezeichnen, was sie ist: eine ziemliche katastrophe.

p.s. gerald raunig hat übrigens schon 2001 ziemlich treffend analysiert , wie es sich hierzulande mit der kritischen und unkritischen intelligenz verhält, die sich ganz gern marginalisiert und freigeistig wähnt, und dabei dem konservativ-reaktionären lager die stichworte einflüstert.

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