Der letzte Generalintellektuelle II: Ekel in Geidorf

27 Jun

Der letzte Generalintellektuelle in Graz muss, nein: sollte, oder viel mehr: möchte einen Zaun bauen, weil manuelle Arbeit ein schöner Ausgleich zu geistigen Tätigkeiten wie: Bücher von Harry Rowohlt lesen ist. Zwar haben Zäune einen unangenehmen Geruch von Kleinbürgertum und Besitzstandsdenken, doch ist der Generalintellektuelle heute längt über solche jugendlich idealistischen Gedanken hinaus. Eine Welt ohne Atomwaffen wäre zwar wünschenswert, doch die Realität sieht doch anders aus: Zumutungen wohin das Auge reicht, Wildschweine die mitten in Graz auftauchen und dann im Mühlgang ertrinken, Kampfhunde, blöde Nachbarn. Erst jetzt, wo er eine Immobile besitzt, merkt der Intellektuelle, wie schlecht die Welt ist. In Zeiten wie diesen ist ein Zaun eine Form der Einfriedung, denkt er und schreibt es sogleich ins Internet. Bei dem Wort Einfriedung muss er an sein ungeklärtes Verhältnis zum Imperialismus denken, und dass er ja noch wählen gehen wollte. Er vergisst fast auf den Zaun, bis er in der Wahlzelle steht und ihm ein Satz von Harry Rowohl in den Sinn kommt, dessen Buch noch irgendwo herumliegen muss, möglicherweise im Garten. Lieber hänge ich tot über einem Zaun im Kosovo als dass ich nur eine Sekunde lang die Grünen unterstütze. Jetzt ist der letzte Generalintellektuelle in seinem Element und sein Element ist: Selbstekel.

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