graz oldenbryg MAI 2011

2 May

guten abend.
wir versuchen, uns kurz zu fassen, damit wir schnell einen überblick bekommen, was wir wollen, was wir bisher gemacht haben, und was für eine position wir uns für die zukunft vorstellen können. wobei wir in dieser hinsicht flexibel sind: wir stehen auf der bühne und sprechen relativ frei, mit einem kleinen notizzettel, wo wir uns die wichtigsten stichworte aufgeschrieben haben,
während wir die aufgeschrieben haben, haben wir uns natürlich eine vorstellung davon gemacht, wie wir sie präsentieren, wir haben uns vorgestellt, wie wir auf der bühne stehen, und ein bisschen nervös sind, weil wir nicht genau wissen, was passieren wird, und wir haben uns natürlich eine vorstellung davon gemacht, wie wir zuhören und versuchen, uns die wichtigsten punkte zu merken, weil wir ja auswählen müssen, und weil wir uns nicht von nebensächlichkeiten ablenken lassen wollen, zum beispiel körperliche aspekte, die natürlich auch wichtig sind, aber das wichtigste ist doch die vorstellung, die wir uns von unserer geschichte machen, was wir bisher gemacht haben, und was wir uns für die zukunft vorstellen,
wir haben da verschiedene vorstellungen, aber meistens stellen wir uns vor, dass alles auseinanderfallen wird, ohne dass wir eingreifen müssen, das hat sich durch die zeit verändert,
als wir hierher gekommen sind, um uns dieser vorstellung zu widmen, und dann noch ein paar freunde getroffen haben und ein glas mineralwasser und ein bier und eine schorle getrunken haben, ist uns eingefallen, dass wir früher immer so wahnsinnig viel machen wollten,
das hat sich dann aber verändert,
wir hatten früher ein haus in californien, direkt neben dem filmregisseur roman polanski, kurz nachdem wir „tanz der vampire“ gemacht haben, haben wir uns da auf die apokalypse vorbereitet, während wir in berlin und in paris und san francisco demonstriert haben und dann begonnen haben, immer kleinere schritte zu machen und uns auch mit kleinen veränderungen zufrieden zu geben, haben wir uns in californien darauf vorbereitet, dass es sehr schnell sehr ernst werden wird, und dass wir nur eine chance haben, wenn wir die ersten sind, die zu den waffen greifen.
wir sind in das haus eingebrochen und haben eine frau getötet und haben das dann in allen zeitungen breit getreten und haben diesen einbruch zum wichtigsten ereignis des jahres gemacht und dann haben wir sehr lange nichts gemacht, wir haben also abgewartet, und uns erst mal unserem privatleben gewidmet, wir müssen jetzt natürlich auswählen, wir können nicht die ganze geschichte erzählen, wir versuchen ein paar schlaglichter darauf zu werfen, warum wir jetzt hier sind, warum wir da sitzen und auf die bühne schauen, wo jemand mit einem mikrofon steht und unsere geschichte erzählt, wichtig wäre vielleicht noch 1942, als wir damit begonnen haben, atome zu spalten, und uns klar wurde, dass wir damit die chance haben würden, ganze kontinente auszuradieren oder unbewohnbar zu machen oder mit energie zu versorgen, wir haben das in einem kleinen text behandelt, den wir vor knapp zwei jahren veröffentlicht haben, wo wir uns auf die unruhen beziehen, die wir in den französischen vorstädten ausgelöst haben. wir haben da eine theorie der moderne entwickelt, wie sie sich selbst abschafft. und diesen text haben wir neben einkaufszetteln, briefen unserer freundInnen, gedichten und formularen, die wir noch ausfüllen müssen, immer dabei, wir lesen uns den immer wieder vor, auch jetzt, seit wir in japan waren, und jetzt, auf dem weg nach oldenburg, und wir haben den auch in fukushima gelesen, während wir vor dem verstrahlten meer gestanden sind und in die CNN-kameras gesagt haben, dass wir hier bleiben werden und darauf vertrauen, dass wir es in den griff kriegen werden, und dass wir verständnis haben, und dass wir natürlich immer wieder mitten in der nacht aufwachen in letzter zeit, und dass wir aber verstanden haben, dass die dinge schon ganz von selbst zerfallen, auch wenn wir nichts dafür tun, dass wir eigentlich nur davor sitzen müssen und versuchen, ruhig zu zu schauen, und uns nicht beeinflussen lassen von körperlichen ablenkungen, oder von musik, oder von der frage, was wir danach machen werden, oder ob es einen gott gibt, oder wie der schauspieler der vor uns steht, nackt ausssieht, oder ob er sich das so vorgestellt hat, als er sich seine notizen gemacht hat, das können wir natürlich nicht wissen, aber wir denken, dass es nicht so weiter gehen wird wie bisher. wir denken, dass es dann erst mal still sein wird und dass dann musik kommen wird.

MAGNETIC FIELDS: ALL MY LITTLE WORDS.

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