12 Dec

ALLES BEIM ALTEN

für karoline rudof und das buchgeschäft, dezember 2017

musik. ein mann in einem eigenartigen hemd und einer kunstfellmütze, die an einen film der cohen-brüder erinnert, steht in einem dichtgedrängten buchladen auf einem hocker und hält eine rede. dann großaufnahme auf einen schriftzug an der wand:

ALLES BEIM ALTEN.
die hauptfigur starrt auf den schrifzug.

die hauptfigur ist eine vielleicht ein bisschen zu sensible hauptfigur, die sich viele gedanken macht über den zustand der welt, die gerade dabei ist, sich rasant zu verändern.
die hauptfigur starrt auf den schriftzug, die buchstaben sind jetzt ganz groß im bild, während die kamera ganz langsam über das A, die beiden Ls das E gleitet, erfahren wir über ein voice over, dass die hautfigur sich gerade in einer krise befindet. sie hat nicht gut geschlafen und ihre arbeit hängt an einem seidenen faden, weil sie einen fehler gemacht hat, vor langer zeit.
musik.
die kamera gleitet über das S und landet beim zweiten wort, und wir hören die worte eines guten freundes der hauptfigur, der ein zutiefst religiöser quantenphysiker ist und beim versuch, seine erkenntnisse über den kosmos in ein populärwissenschaftliches buch zu verarbeiten, beide hände verloren hat.

dann ein zeitsprung:
die hauptfigur betritt den laden, der sich allerdings bereits geleert hat, nur noch ein paar menschen stehen herum und unterhalten sich in fröhlicher atmosphäre, andere stehen davor und rauchen, ein paar sitzen im gegenüberliegenden kaffee. die hauptfigur eilt – vorbei an dem schriftzug den sie nicht bemerkt – zum improvisierten ladentisch wo ein kleinkind sitzt und milch trinkt, und fragt nach einer gesamtausgabe von einem autor, dessen namen sie vergessen hat.

das kind und die hauptfigur versuchen gemeinsam, herauszufinden, wo die gesamtausgabe steht und stoßen dabei auf eine DVD einer serie aus dem jahr 2018, in der ein archäologe in einer unterirdischen tempelanlage in griechenland einen rätselhaften schriftzug an der wand entdeckt. während er noch versucht, die zeichen zu entziffern, wird die gesamte anlage von wütenden demonstranten gestürmt, im handgemenge verliert der archäologe seinen ausweis und bekommt einen schlag auf den kopf.

als er aufwacht, ist er in einem leeren zimmer an an ein bett gefesselt. von unten hört er klaviermusik und gesang auf französisch und englisch, stimmengewirr auf deutsch. er kann nur seinen kopf bewegen und sieht, dass auf seiner schulter die ziffern
1 – 2 – 1
eintätowiert sind.

eine episode lang versucht der archäologe sich zu befreien. er lernt dabei eine herrenlose katze kennen, die von graz und athen aus versucht, eine linke alternative zum herrschenden neoliberalen rassistischen narrativ aufzubauen. sie hat einen chip am halsband hat, mit dessen hilfe er sich zugang zur bibliothek des österreichischen akademie der wissenschaften verschaffen kann, und macht sich schließlich auf die suche nach seinen aufzeichnungen und seinem ausweis.

als er und die katze im taxi zum flughafen sitzen, geraten sie in einen stau. im radio erfahren sie, dass gerade ein staatsbegräbnis statt findet: der bundeskanzler des namenlosen mitteleuropäischen landes ist vor geraumer zeit in der kaffeepause einer sitzung des europischen raats in brüssel spurlos verschwunden. um die fortführung der geschäfte zu gewährleisten, hat die regierung beschlossen, ihn für tot zu erklären.

nachdem sie zwei episoden lang im stau stehen, während denen sie ein radio-feature über spirituelle keltische traditionen hören, beschließen sie, auf einem schleichweg abzubiegen und mit dem taxi nach brüssel zu fahren, wo ein studienkollegen des archäologen als facility-manager arbeitet.

der studienkollege denkt über seine doktorarbeit nach, während er die gänge des europäischen parlaments putzt. als er eine spinnwebe an der wand entfernt, fernt sein blick auf ein paar buchstaben, die sich fast unmerklich von der wand abheben.

währenddessen sitzt der archäologe im auto und bemerkt, dass der taxifahrer, je näher sie der belgischen grenze kommen, immer jünger wird. eine eigenartige panik erfasst ihn. als das taxi schließlich kurz vor brüssel die autobahn verlässt, ist der taxifahrer das dreijährige kind, das am anfang im buchgeschäft gesessen ist. es kann kaum über das lenkrad schauen, doch das auto scheint, wie von geisterhand gesteuert, selbst den weg durch den dichten verkerht zu finden.

schnitt auf das begräbnis des staatsoberhaupts.

schnitt auf den quantenphysiker ohne hände, der beim betrachten eines schriftzugs an der wand in ein zeitloch gefallen ist und versucht, seine eigene zeugung zu verhindern, in dem er seinen eltern, die in einem buchgeschäft stehen und heftig miteinander flirten, furchtbare blähungen verursacht, doch die lauten fürze vermischen sich mit romantischer musik und machen die beiden studenten der theologie des jahres 1977 nur noch geiler aufeinander.

dann sehen wir den bundeskanzler mit der katze auf einem bürostuhl in der griechischen tempelanlage sitzen, eine ältere version von ihm selbst sitzt ihm gegenüber. sie schauen sich verliebt an.
musik.
der bundeskanzler möchte etwas sagen, aber es fällt ihm nichts ein. wir sehen, dass er sich mit kugelschreiber drei wörter auf seine handfläche geschrieben hat.

SCHNITT.

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